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Gedanken zur Homöopathie

Reagenzglas

Ein Eintrag, den ich schon lange schreiben wollte. Jetzt habe ich endlich die Zeit dafür:

Was ist eigentlich Homöopathie?

Grundsätzlich: Es handelt sich dabei um ein Heilverfahren, das auf den Vorstellungen von S. Hahnemann beruht. Dabei liegt die Idee des ‘similia similibus’, des Gleichen mit Gelichem, zugrunde.

Was heißt das? Das bedeutet, dass man der Ansicht ist, dass eine Substanz, die beim gesunden Menschen in einer gewissen Dosis Vergiftungen hervorruft, in weit geringerer Konzentration bei einem an diesen Symptomen (aber anderer Ursache) Leidenden eine Genesung bewirkt.

Soviel also zum Grundgedanken. Jetzt zur Umsetzung: Die ‘weit geringere Konzentration’ aus dem vorherigen Absatz ist bei der Homöopathie der interessanteste Punkt. Die Herstellung einer solchen Verdünnung verläuft bei löslichen Stoffen ungefähr folgendermaßen: Man nimmt die Urtinktur (bzw. Essenz), d.h. das ursprüngliche Gift, und vermischt es (meist) mit Alkohol (als Lösungsmittel) im Verhältnis 1:10, d.h. auf einen Teil Urtinktur kommen 10 Teile Alkohol. Diese erste Stufe der Vermischung nennt man D1 – es ist die erste Potenz. Folgt man diesem 1:10-Schema (Dezimalsystem) – jede Potenz der vorhergehenden Stufe wird mit dem Zehnfachen an Alkohol vermischt – so erhält man eine Folge von Potenzen. D6 ist also eine Mischung im Verhältnis 1:106, also 1 zu einer Million.

Es gibt auch Tinkturen (oder Pillen) in einer Potenz von D30, d.h. 1:1030. Das ist eine 1 mit dreißig Nullen dahinter. Die größte Potenzierung in der D-’Skala’ ist D35 (glaube ich).

Es gibt noch das Centesimalsystem, bei dem in jeder Potenzierungsstufe mit einem Verhältnis von 1:100 gemischt wird. Entsprechend heißen die Potenzen (z.B.) C1, C6, C12 oder C351.

Veranschaulichung

Der größte Stausee in Deutschland, das Bleiloch (Thüringen), hat ein Wasservolumen von 215.000.000m3. Schüttet man da jetzt einen Fingerhut (angenommen als 2,15cm3) voll einer Urtinktur rein und vermischt das Ganze gut, so erhält man eine Lösung von 1:1014. Also D14.

Im Universum gibt es ungefähr 1078 Atome2. Obwohl diese Zahl um einige Größenordnungen größer ist als die Verdünnung, die unsere Urtinktur im Bleiloch erfährt, lässt der Vergleich doch vermuten, dass von der Urtinktur, in einem Fläschen, das ich aus dem mit der Urtinktur ‘verunreinigten’ Bleiloch abfülle, nichts mehr drinnen ist.3

Was ist also das Geheimnis hinter dem Verdünnungsvorgang? Nun, das Verdünnen ist nicht bloß ein einfaches Vermischen zweier Substanzen (der Lösung und der Urtinktur bzw. Potenz der vorherigen Stufe). Vielmehr ist die Art und Weise der Verdünnung entscheidend: Durch ein bestimmtes Schütteln der Mixtur nimmt das Lösungsmittel die Eigenschaften (Information) der Urtinktur auf. Das ist der Clou! Das Lösungsmittel ‘merkt’ sich diese Eigenschaften – es wird quasi selbst zur Urtinktur.

Schön und gut. Das sind also die Ideen, die hinter der Homöopathie stehen:

  • similia similibus
  • Potenzierung (Verdünnung)
  • Informationsaustausch zwischen Urtinktur und Lösung

Als sehr interessanten Gedanken möchte ich das so stehen lassen. Bis hierhin habe ich keine Probleme mit den Ideen der Homöopathie. Jetzt kommt ein kleiner Einwurf meinerseits:

Wenn Flüssigkeiten durch Schütteln (oder wie auch immer) Informationen – Eigenschaften – austauschen können, wie verhält es sich dann mit Flußwasser und den darin enthaltenen Chemikalien?

Ist das der Grund, weshalb wir alle so krank sind – oder es zumindest glauben?

Gerade eben erinnert mich diese Vorstellung an ein sehr lustiges Buch: Der Dritte Polizist von Flann O’Brien. Ein Polizist, der seit Jahren auf einem Fahrrad Streifefährt, wird immer mehr zum Fahrrad. Und umgekehrt.4

  1. Eine Potenz von C35 entspricht übrigens einem Verhältnis 1:1070 – also ‘knapp’ an der Anzahl der Atome im Universum vorbei.
  2. Atome im Universum
  3. Die Wahrscheinlichkeit für ‘sechs Richtige’ im Lotto (6 aus 49) beträgt ca. 1:14.000.000 – also 1:14x106.
  4. Der dritte Polizist wie Menschen zu Fahrrädern werden. Und umgekehrt.
  5. Homöopathie
  6. http://de.wikipedia.org/wiki/Homöopathie

{ 1 } Comments

  1. Kranker Pfleger | 2009/3/25 at 02:46 | Permalink

    Ich mache ja aus meiner (begründeten!) Ablehnung gegen naturwissenschaftlich nicht belegbare “Medizin” keinen Hehl. Homöopathie fand ich schon immer recht seltsam. Denn wie etwas wirken soll, wenn aufgrund starker Verdünnung des angeblichen Wirkstoffes von diesem in dem Mittelchen nichts mehr drin ist, ist mir schleierhaft. Absolut schleierhaft.

{ 1 } Trackback

  1. [...] Warum man nicht zu oft Radfahren sollte und warum man, wenn man es doch getan hat, auf sein (inzwischen altes) Fahrrad gut aufpassen sollte, könnte man in Der dritte Polizist (Siehe auch Gedanken zur Homöopathie.) nachlesen. Als Leichtelektüretipp für den Sommer… // //]]> [...]

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