Skip to content

Arabische Zahlenschreibweise und europäisches Plagiatentum

Arabische Kalligraphie
Bismillahi Rahmani Raheem
Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen
Sure 105

Gestern habe ich mich nach dem Aikido-Training noch mit meinem Freund Josef unterhalten. Wir kamen auf die Darstellung von Zahlen im Deutschen zu sprechen. Es gibt da eine kleine, aber offensichtlich wohlinformierte Bewegung, die der Meinung ist, dass im Deutschen Zahlen ‚falsch‘ ausgesprochen werden. Dies träfe insbesondere im zweistelligen Bereich zu. So sollte man anstelle von dreiundfünfzig besser fünfzigdrei sagen.

Wenn man sich die Zahlendarstellung noch genauer anschaut, dann kann man feststellen, dass die Reihenfolge der Ziffern einer Zahl irgendwie ‚falsch‘ ist. Man muss erst die ganze Zahl anschauen, um festzustellen, dass beispielsweise die erste Ziffer der Zahl eine Wertigkeit von ‚1 Million‘ hat. Von dort ausgehend rechnet man dann quasi zurück: danach kommen Hundertausender, danach Zehntausender, etc..

Also, man muss die komplette Zahl anschauen, um feststellen zu können, was man da überhaupt sprechen muss.

Es wäre eigentlich vernünftiger Zahlen von der kleinsten Wertigkeit – den ‚Einern‘ – zu den höherwertigen Stellen zu lesen. 153 würde man dann als drei – fünfzig – einhundert lesen. So könnte man einfach anfangen eine Zahl zu lesen und müsste sich keine Gedanken machen, wie groß die Zahl überhaupt ist.

Ich widerspreche also der Forderung dieser Bewegung. In meinen Augen sind die zweistelligen Zahlen die einzigen, die ‚richtig‘ ausgesprochen werden: drei und zwanzig

Wie das Beispiel mit der 153 zeigt, müsste die Aussprache allerdings verkürzt werden. drei – fünfzig – einhundert – man stelle sich das mal für längere Zahlen vor…

Es kann daher gut sein, dass die Aussprache eben aus Gründen der Sprachergonomie so ist, wie sie jetzt ist, und nicht, wie ich sie fordere.Es gibt keinen Unterschied in Bezug auf die Sprachergonomie zwischen beiden ‚Sprechrichtungen‘. Ob man jetzt Eine Million, zweihundert Tausend, dreihundert fünf oder fünf, dreihundert, zweihundert Tausend, eine Million sagt, bleibt sich gleich.

Was hat das mit Arabisch zu tun?

Ähm ja, Entschuldigung, ich bin abgeschweift.

Die Ziffern, die im Westen in Gebrauch gekommen sind, stammen ursprünglich aus Arabien und wurden durch die Mauren in Spanien eingeführt. Von dort verbreiteten sie sich in ganz Europa – nach dem die katholische Kirche ihren Widerstand aufgab.

Das Interessante ist nun, dass die arabische Schrift von rechts nach links geschrieben und natürlich auch gelesen wird.

Noch interessanter wird’s, wenn man feststellt, dass die alten Spanier/Europäer diese Schreibrichtung für Zahlen einfach übernommen, und nicht etwa angepasst haben.

Das heisst, wir Europäer (und Amerikaner und Briten) schreiben unsere Zahlen genau so, wie es Araber tun. Allerdings lesen wir in entgegengesetzter Richtung.

Im Klartext: Wenn Araber Zweitausend schreiben, dann schreiben sie das so: 2000 und wenn wir Zweitausend schreiben, dann schreiben wir das exakt genau so. Aber die Araber lesen das dann als ‚kein Einer, kein Zehner, kein Hunderter, 2 Tausender‘. Wie das von Arabern tatsächlich gelesen wird, weiss ich ehrlich gesagt nicht, wäre interessant zu wissen…

Und da ich mir mit all dem nicht 001%ig sicher bin, möchte ich den verehrten Leser dazu auffordern, sich selbst schlau zu machen und das Ergebnis dieses Prozesses evtl. hier kundzutun. Es folgen daher…

…Links

{ 11 } Comments

  1. Emerentia | 2004/9/24 at 12:08 | Permalink

    Die Forderungen dieser Bewegung, zweistellige Zahlen andersrum auszusprechen, rühren wohl hauptsächlich vom Zahlengebrauch in anderen romanischen (z.B. Rumänisch, Italienisch), aber auch westgermanischen Sprachen (z.B. Englisch) her. So spricht man z.B. im Englischen, Italienischen und Rumänischen (die wohl lateinischste aller europäischen Sprachen) die Zahl 22 als zwanzig-(und)-zwei aus (twentytwo bzw. ventidue bzw. douăzeci şi doi).

    Andererseits darf man nicht unterschlagen, dass selbst in den oben genannten Sprachen die Zahlen von 11 bis 19 nach der „arabischen Leseweise“ ausgesprochen werden, hier am Beispiel der 13 veranschaulicht: thirteen (engl.), tredici (italien.) und treisprezece (rumän.)! Scheinbar hat sich aber nur im Deutschen diese Sprechweise auch auf die restlichen Zahlen bis Hundert durchgesetzt. D.h. eigentlich sind die anderen Sprachen falsch!

    Insgesamt dürfte diese Diskussion aber wohl sowieso hinfällig werden sobald es um die Sprechweise der Zahlen über 100 geht, denn ab da Sprechen alle mir bekannten indogermanischen Sprachen von links nach rechts, also die grössten Ziffern zuerst. Warum sich dies aber so durchgesetzt und bis heute gehalten hat, ist mir schleierhaft…

  2. Josef | 2005/6/12 at 02:38 | Permalink

    Ich finde den ausführlich recherchierten Artikel durchaus gut. Es ist ja tatsächlich so, dass wir unsere Zahlen falsch aussprechen, so wie es Steffen geschildert hat! Wobei sich aber trotz allem die Frage stellt, wie die Araber denn ihre Zahlen aussprechen?

    Aber: Die „Sprachergonomie“ kommt weder in unserer tatsächlichen Sprechweise noch in der von Steffen geschilderten richtig zum Ausdruck!

    Erweitert man nämlich die Zahlen um die Tausender- und Zehntausender-Stelle, so lässt sich sehr wohl eine rationellere Aussprache (klingt irgendwie besser als „Sprachergonomie“) finden, die für mich sogar zwingend logisch erscheint!

    Dazu ein Beispiel, die Zahl 1.327.856

    Version Steffen:

    sechs fünfzig achthundert siebentausend zwanzigtausend dreihunderttausend eine Million

    Im Vergleich dazu die übliche Version:

    eine Million dreihundertsiebenundzwanzigtausendachthundertsechsundfünfzig

    Und nun der prägnante UNTERSCHIED – die Version Josef:

    eine Million dreihundertzwanzigsiebentausend achthundertfünfzigsechs

    Abschließend noch einmal die Version Steffen, verkürzt um die Leertasten, die in den letzten beiden Schreibweisen nicht enthalten sind:

    sechsfünfzigachthundert siebentausendzwanzigtausenddreihunderttausend eine Million

    Und für alle, die zu faul sind, sich die Zahlenbeispiele anzuschauen:

    Bei sechsstelligen Zahlen (oder mehr) wiederholt sich bei der Version Steffen die „tausend“ (und ggf. weitere noch größere Zahleinheiten wie Million/Milliarde/…) drei mal, während bei der normalen Version stattdessen zwei „und“ zwischen den Dreier-Blöcken eingefügt sind.
    Bei meiner Version sind diese überflüssigen Füllwörter nicht enthalten!

    Noch etwas zur Richtigstellung. Die Version Josef ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Sondern das habe ich irgendwo mal gelesen, dass wir Deutschen bzw. Deutschsprachige unsere Zahlen falsch aussprechen. Im Vergleich zu den englischsprechenden Nationen (nur die letzten drei Ziffern des Beispiels):

    eighthundredfiftysix (na, klingelt da was!?)

    Bleiben jetzt nur noch die Fragen, wie andere Nationen ihre Zahlen aussprechen, bspw. die Spanier oder die Chinesen? Und wie das nun mit der Reformbewegung war oder vielleicht auch noch wird (nach so lange währenden und unsinnigen Debatten wie der Rechtschreibreform)? Bin mal gespannt, ob es da noch andere Meinungen oder sogar noch ganz andere Vorschläge gibt! Damit wieder zurück in die DENKZEIT …

  3. nicole | 2005/7/19 at 04:05 | Permalink

    also, im Arabischen werden die Ziffern – entgegen der Schrift – von links nach rechts geschrieben und auch gelesen! interessanterweise werden die zehnerzahlen, z.b. dreiundzwanzig, im arabischen wie im deutschen ausgedruckt, also drei und zwanzig, aber eine zahl wie z. B. 1985 als tausend und neunhundert und fünf und achtzig gelesen.
    gruß, Nicole

  4. Emerentia | 2005/10/8 at 12:55 | Permalink

    Durch meinen Urlaub auf Bali konnte ich die Zahlen der sog. Bahasa Indonesia erforschen. Dabei handelt es sich um die Amtssprache Indonesiens, die durch die holländische Kolonialisierung starke Einflüsse des Niederländischen besitzt und eng verwandt mit der Bahasa Melayu ist.

    Im Indonesischen gibt es nur die Ziffernworte 0 = nol bis 9 = sembilan, sowie „Potenzwörter“, die deren Stelligkeit (z.B. Zehner, Hunderter, …) anzeigen. So werden bei einer Zahl die Zifferworte samt Stelligkeit einfach der Reihe nach genannt, z.B. heisst 123.456 = seratus dua puluh tiga ribu empat ratus lima puluh enam = ein-hundert zwei -zig drei -tausend vier -hundert fünf -zig sechs. D.h. hier wird strikt von links nach rechts die Zahl gelesen und geschrieben.

    ABER: bei den Zahlen von 10 bis 20 machen auch die Indonesier eine Ausnahme. Zwar heisst es noch

    • 10 = sepuluh = eins -zig, dafür aber
    • 11 = sebelas = eins -zehn
    • 12 = dua belas = zwei -zehn
    • 13 = tiga belas = drei -zehn
    • 14 = empat belas = vier -zehn
    • 18 = delapan belas = acht -zehn
    • 19 = sembilan belas = neun -zehn, und wieder normal weiter mit
    • 20 = dua puluh = zwei -zig
    • 21 = dua puluh satu = zwei -zig eins

    Somit weichen auch hier die Zahlen zwischen zehn und zwanzig erneut ab (vgl. Englisch; s. Kommentar). Aber warum?

    Nebenbei: Da 1 = satu und Tausender durch ribu bezeichnet werden, müsste 1000 eigentlich satu ribu = eins -tausend heissen. Allerdings wird die Zahl 1 = satu oft auf se- verkürzt, falls anschließend ein Stelligkeitswort steht, z.B. seribu = 1000, seratus = 100, sebelas = 11, sepuluh = 10 😉

  5. Steffen | 2005/10/11 at 08:18 | Permalink

    @Nicole: Danke für die Aufklärung. Dein Beispiel (1985) zeigt, dass auch die Araber Ausnahmen haben. Dann ist es also tatsächlich so, dass wir, hätten wir’s damals richtig gemacht, die Zahlen hätten umdrehen müssen. Wenn die Araber 1985 1985 schreiben, dann müssten wir’s ja eigentlich 5891 und somit so schreiben, wie ich das in meinem ursprünglichen Eintrag verlangt habe.

    @Clemens: Sehr aufschlussreich, die Ergebnisse deiner Flitterw.. ehm Bildungsreise. Warum diese Ausnahmen im 10er-Bereich in verschiedenen Sprachen existieren ist eine interessante Frage. Vielleicht ist auch hier Sprachergonomie der Grund. Häufig benötigte Zahlen und so!?
    Ansonsten zählen die Indonesier dann genau nicht so, wie ich das im ursprünglichen Eintrag verlangt habe. Wiederum interessant.
    Das Überfliegen der von dir verlinkten Wikipedia-Einträge zeigt, dass Indonesisch eine alte Sprach ist. Veränderungen zur Erhöhung der Sprachergonomie sollten also bereits eingetreten sein.

    Ich muss sagen, die indonesische Zählweise gefällt mir bislang am besten…

  6. Emerentia | 2005/10/12 at 09:52 | Permalink

    Ist ja auch kein Wunder, dass dir diese indonesische Zählweise bislang am besten gefällt: Mir hat sie von anfang an imponiert, da sie erstens wirklich einfach gehalten ist (keine „Füllwörter“ wie das und im Deutschen etwa bei 57 = siebenundfünfzig) und zweitens weil sie mit sehr wenigen Zahlworten auskommt (es gibt keine speziellen Wörter für 12 = zwölf, und auch 20 = zwanzig sieht im Indonesischen eher aus wie „zwei-zig“).

  7. Emerentia | 2006/5/19 at 09:57 | Permalink

    Dank meines Türkisch-Kurses kann ich nun auch auf Türkisch zählen 🙂 Und das interessante dabei ist: die Türken zählen genauso wie die Indonesier! Hier wird – aber wirklich stur und ohne Ausnahmen – immer zuerst die größte und zuletzt die kleinste Ziffer der Zahl genannt.
    Ein Beispiel: 1212 ist bin iki yüz on iki (bin = 1000, iki = 2, yüz = 100, on = 10, iki = 2). Ohne Füllwörter oder Ziffern-Verdreher! Ist doch irgendwie komisch, oder?

  8. Fenni | 2006/10/28 at 04:31 | Permalink

    Die Italiener drehen übrigens noch früher, als erst nach der 19.

    Von der 11 bis zur 16 geht es nach dem System: erst der Einer, dann der Zehner.
    Ab der 17 ist es dann, bis zur 99, andersherum, der Zehner kommt vorangestellt.

  9. Artur | 2013/12/12 at 10:53 | Permalink

    Gibt es denn dazu ein einheitliches System für die Zahlen? Nicht nur die Italiener machen da ja so einen Murks draus.
    Also genauer gefragt: Gibt es eine pauschale Aussage wieviele unterschiedliche Benennungen von Zahlen in unterschiedlichen Sprachen vorkommen?
    Grüße

  10. Emerentia | 2014/1/13 at 11:10 | Permalink

    @Artur: Interessante Frage… mir ist leider keine wissenschaftliche Arbeit (eines Mathematikers oder eines Sprachwissenschaftlers?) bekannt, die sich mit dem Thema der „verdrehten Zahlen-Sprechweise“ beschäftigt (hat). Da müsste man mal einen Etymologen fragen… 

  11. spritzgiessmaschinen | 2016/9/27 at 02:36 | Permalink

    Eine beeindruckende Aktie I einfach angesichts dieser auf einen Kollegen, der tat ein wenig Analyse auf diesem. Und er in der Tat gekauft, weil mir Frühstück als Ergebnis Ich fand für ihn .. Lächeln. Lassen Sie mich also umformulieren, dass: Thnx für die Behandlung behandeln! Aber Aber ja Thnkx für die Ausgaben der Zeit zu diskutieren, zur Debatte das, ich fühle wirklich das Gefühl, stark über sie und die Liebe zu lesen extra zu diesem Thema. Wenn möglich , Entwicklung in Kompetenzen , würden Sie thoughts Aktualisierung Ihrer Blog mit extra Angaben? Es ist nützlich für mich. Big Groß Daumen nach oben für diese weblog publizieren !
    spritzgiessmaschinen http://www.transitus-gebrauchtmaschinen.com/spritzgiessmaschinen.html

Post a Comment

Your email is never published nor shared. Required fields are marked *