In diesem Eintrag möchte ich verschiedene Technologien vorstellen, mit denen man eine Präsentation erstellen kann.
Jeder, der schon mal eine Präsentation für einen Vortrag gemacht hat, dürfte PowerPoint von Microsoft kennen. Wenn nicht, gibt es hier eine recht gut gemachte Einführung. Impress aus dem OpenOffice-Packet macht Ähnliches.
Was, wenn man PowerPoint und seine Derivate nicht verwenden möchte?
Hey, warum möchtest du kein PowerPoint verwenden?
- Ich habe gerne vollständige Kontrolle.
- Ich mag aufgeblähte Tools nicht.
- Ich mag aufgeblähte Tools nicht, weil sie mich überfordern.
- Ich möchte nicht in die Versuchung kommen, Präsentationen zu machen, von denen meinen Zuhörern schwindelig wird.
- Man braucht PowerPoint. Und das kostet.
- Ich glaube, Eward Tufte hat Recht. (Und ich empfehle sein Essay The cognitive style of PowerPoint und das Forum auf seiner Seite Ask E.T..)
Zugegeben, alles sehr subjektiv. Ich möchte noch ein paar Zitate anbringen, die ich recht interessant finde:
The program makes things easy for the presenter, not the audience, Miller explains. Take bullet points. Ordinarily, a speaker might write down, for his own use, a series of points he wants to make, Miller says. But his audience expects him to fill in the data between those points since, on their own, they make sense to no one but the speaker.
But PowerPoint encourages speakers to present just the notes, passing them off as a finished product, Miller says. Put another way, PowerPoint lulls its users into thinking they’ve actually communicated by projecting their notes on a screen, reading them aloud and then distributing them on paper so people can take them home.
It’s the illusion of education,Miller says.
a four-slide presentation could yield 10 pages of course material, which can be posted on the Internet, handed out in packets, or taught in the classroom.
Unless people make themselves the masters of their words, Tufte and others say, their points will stay hidden, as well.
Ich kenne diese Situation aus vielen Vorlesungen: Der Vorlesende wiederholt, was auf er Folie ohnehin schon steht. Warum? Ich weiss es nicht. Vielleicht Faulheit? Oder vielleicht, wie der Artikel Missing the Point mit der Aussage Don’t Blame the Messenger
vorschlägt, ist gar nicht der Vortragende, sondern das Werkzeug, mit dem vorgetragen wird, Schuld? Ich denke, es ist eine Mischung aus beidem.
PowerPoint und seine Derivate nimmt viel Nachdenken ab. Wo platziere ich dieses Bild? Wie mache ich die Grahik? Wie stelle ich diese Daten dar? Dabei kommt meist der kleinste Nenner raus. Der Weg des geringsten Widerstands wird genommen.
PowerPoint nimmt einem also zu einem großen Umfang die Beschäftigung mit der Materie ab. Der Benutzer – der spätere Vortragende – wird vielmehr dazu verleitet sich nicht zu beschäftigen (Eigentlich ist das sogar ein Ziel solcher Tools). So gesehen ist meine Herangehensweise ein ‘Trick’, der mich dazu zwingt, mich mehr mit dem zu beschäftigen, was ich da mache.
Okay, was sind also die Alternativen?
Erstaunlicherweise gibt es recht viele Alternativen zu PowerPoint. Die Lösungen, die ich hier kurz vorstellen möchte basieren auf
- (X)HTML
- LaTeX
- docbook
- XML
- OperaShow und Keynote
XHTML
Wer hin und wieder Internetseiten (von Hand) erstellt, dem dürfte diese Lösung entgegenkommen. Man erstellt die Präsentation in XHTML, überlässt das Aussehen CSS und realisiert zusätzliche Funktionen mit JavaScript.
Eric Meyers S5 ist ein solches, auf XHTML basierendes System.
Nachteile
- Zumindest S5 ist an eine feste Auflösung gebunden. D.h. man entwickelt die Präsentation am besten mit der Bildschirmauflösung, die der des Beamers beim späteren Vortrag entspricht. Sollte die dann doch anders sein (kleiner), hat man Probleme. Diese kann man aber durch die leichte Editierbarkeit (Vorteil) relativ schnell beheben.
- Für Ungeübte ist die Erstellung einer Präsentation auf diese Weise wohl nicht sonderlich leicht. Die Lernkurve dürfte allerdings recht steil sein.
Vorteile
- Eine solche Präsentation läuft praktisch auf jedem Browser. Für S5 sind das IE, Firefox und Safari. In Opera wird auf OperaShow umgeschalten.
- Man kann schnell Änderungen vornehmen. Man braucht nur einen Texteditor.
- Die Präsentationsdatei ist sehr klein.
- Man kann sehr gezielt Layout- und Verhaltensänderungen vornehmen.
Aber ich verstehe, dass einige dieser Punkte – speziell der Vorteile – eher bei XHTML-Profis zum Tragen kommen. Vielleicht ist eine solche Lösung daher für XTHML-Anfänger wenig sinnvoll…
Latex
Mit Hilfe von LaTeX lassen sich auch Folien erstellen. Die Seiten Making Slides in LaTex und Creating Slides for a Seminar erläutern dies beispielhaft. Das Ergebnis ist dann meist ein PDF-Dokument, das mit dem Acrobat Reader betrachtet werden kann.
Nachteile
- Man benötigt ein LaTex-System um die Folien zu erstellen. D.h. unter anderem auch, dass man nicht leicht letzte Änderungen an einer Präsentation vornehmen kann.
- Man benötigt den Acrobat Reader um die Präsentation darzustellen. Da dieser jedoch auf vielen Systemen in irgendeiner Version installiert ist, dürfte das kein wirkliches Problem darstellen.
Vorteile
- Die Präsentation passt sich der Auflösung an.
- Wer Latex bereits beherrscht, dürfte auch keine Probleme haben, damit Folien zu erstellen.
- Verschiedene Ausgabeformate (PDF, XHTML, SVG).
Zugegeben, ich habe Folien via Latex noch nie erstellt. Hier bin ich gespannt auf Beiträge meiner Leser…
Docbook
Docbook ist LaTeX nicht ganz unähnlich. Es ist eine deskriptive Auszeichnungssprache, eine XML-Applikation.
Wie LaTeX kann man sie für die Erzeugung verschiedener Ausgabeformen verwenden. Aus einer (speziellen) docbook-Vorlage können also auch Folien erstellt werden. Man kann sowohl XHTML-Folien, als auch SVG-Folien erzeugen. Ersteres habe ich bereits bei einem Vortrag zu SCORM 2004 erfolgreich eingesetzt. (Allerdings hat mir hier die Beamerauflösung bei einigen Folien dafür gesorgt, dass deren unterste Teile nicht angezeigt wurden. Also auch hier das Problem der Festlegung auf eine Auflösung).
Nachteile
- Man benötigt ein docbook-System (d.h. XSL-Stylesheets und einen XSL-Transformator).
- Zumindest bei der XHTML-Lösung gibt’s wieder die Festlegung auf eine Bildschirmauflösung.
Vorteile
- Wer docbook kann, kann auch Folien erstellen.
- Verschiedene Ausgabeformate (PDF, XHTML, SVG).
XML
Docbook ist ja bereits eine XML-Anwendung. Es gibt jedoch noch weitere Systeme, die XML-Quellen verwenden, um Folien zu erzeugen.
- JackSVG
- SlideML
- weitere unter XML-based Presentation Tools
JackSVG macht einen recht ordentlichen Eindruck. Hier wird eine SVG-Datei erzeugt, die die gesamte Präsentation beinhaltet. Ähnlich S5, wo die gesamte Präsentation in einer XHTML-Datei gekapselt wird.
SlideML könnte auch interessant sein. Allerdings ist die Projekt-Homepage erst kürzlich umgezogen und noch nicht voll funktionsfähig, so dass ich mir noch kein wirkliches Bild machen konnte.
Deshalb nur meine Eindrücke von JackSVG:
- Macht guten Eindruck, verschiedene Themes sind vorhanden.
- Navigation der Folien ist mausbasiert mit Menüelementen. Man kann das mit JavaScript sicherlich so aufbohren, dass es auch ohne Menüelemente, d.h. mit Klick irgendwohin, funktioniert – so, wie das bei S5 jetzt funktioniert (habe ich implementiert
). - Passt sich automatisch auf Bildschirmauflösung an.
- Für praktisch alle Browser wird ein externes Plugin benötigt. Das Adobe SVG Plugin ist aber für viele Browser und Betriebssysteme (Windows, Mac, Linux, Solaris) zu haben. Somit sollte sichergestellt sein, dass die Präsentation läuft.
- Für die Erstellung gilt dasselbe wie für LaTeX- und docbook-Präsentationen: Änderung in letzter Minute sind schwer. Man benötigt ein ‘Publishing-System’ (XSL-Transformator und das JackSVG-Script). Das JackSVG-Script ist ein recht interessante Sache. Es erstellt das SVG so, dass es sich an die Bildschirmauflösung anpasst.
OperaShow
Dies ist eine Lösung, die sich auf die Verwendung von Opera zum Anzeigen der Präsentation beschränkt.
Sie basiert auf XHTML und speziellem CSS. Es existieren Tools zum Erstellen solcher Präsentationen. Der OperaShow Generator ist hier zu nennen.
Im Großen und Ganzen gelten hier diesselben Vor- und Nachteile wie bei der regulären XHTML-Lösung.
Keynote
Ein Programm von Apple, das scheinbar sehr gut ist. Leider habe ich keinen Apple und konnte es bisher auch noch nicht ausprobieren. Wie gesagt, es scheint sehr gut zu sein und vom Umfang PowerPoint zu übertreffen. Aber es ist halt wieder klickibunti und systembezogen.
Resume
Die Unterschiede zwischen dem Erstellen von Präsentationen mit Latex und docbook sind nicht groß. Beides würde ich allerdings als umständlich bezeichnen.
Keynote konnte ich nicht untersuchen. An OperaShow finde ich schlecht, dass es auf einen Browser festgelegt ist.
Wirklich interessant finde ich die XHTML-basierten Lösungen, speziell S5, bei dessen Entwicklung ich ein wenig mitgewirkt habe. Aber auch SVG-basierte Lösungen und besonders JackSVG sind interessant.
Nachdem ich S5 gerade erste in einem Vortrag zu meiner Diplomarbeit eingesetzt habe und mich die Fixierung auf eine Auflösung etwas gestört hat, überlege ich mir für meinen nächsten Vortrag JackSVG mit seiner automatischen Anpassung an die Bildschirmauflösung einzusetzen.





{ 2 } Comments
Hallo Herr Glückselig,
Ich wollte mich in aller Form für diesen Beitrag bedanken,
seit Monaten residiert er bereits in meinen Lesezeichen, an ziemlich prominenter Stelle und wird auch oft bemüht, wenn es darum geht Referate zu visualisieren. Mittlerweile habe ich dank ihnen bereits LaTeX kennen und lieben gelernt, Projekte damit erstellt, auch S5 ist eine tolle, bewundernswerte Sache, auf die ich ohne ihre Empfehlung nicht gekommen wär.
Ich bedanke mich!
Es freut mich, wenn meine Seite hilfreich ist.
Unter Publishing habe ich jetzt eine Wiki-Seite zu diesem Themengebiet erstellt. Zur Zeit gibt’s noch nicht viel Information und Links, aber das kann sich mit Hilfe der Leser ändern. Danke schonmal.
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[...] #8212; Steffen @ 10:35
–>
In einigen meiner letzten Einträge habe ich schon Ideen aus diesem Buch von Edwar [...]
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