Skip to content

Farbenlehre zu ‚Königreich der Himmel‘

Farben dreier Militärorden in den Kreuzzügen.

Erstmal: was für eine schlechte Übersetzung des Originaltitels Kingdom of heaven. Warum nicht ‚Himmelreich‘ oder besser noch ‚Himmelreich auf Erden‘. ‚Königreich der Himmel‘ – wieviele Himmel gibt es denn? Genug dazu.

Gestern war ich also mit Josef in der Vorpremiere des neuen Films von Ridley Scott (Alien, Blade Runner, Gladiator, etc. pp.). Vielmehr als der Titel 😉 hat mich die Farbsymbolik gestört. Hauptsächlich deswegen, weil ich sie nicht verstanden habe. Jeder Ritterorden trägt andere Farben. Da die Orden verschiedenen (historischen) Zielen folgen, hätte mich beim Sehen des Films interessiert, welcher Orden da gerade tätig ist. Also habe ich heute im Internet recherchiert. Ich habe leider keine Seite gefunden, auf der die Farben aller Orden zusammengetragen und abgebildet sind. Also habe ich das mal für die wichtigsten Orden gemacht. Im Film gibt’s hauptsächlich Templer. Die wollen den Krieg. Dann gibt es noch die Johanniter. Der einzige Ritter, den man im Film von diesem Orden näher kennenlernt, ist sowas wie ein Priester. Und dann gibt es noch den Deutschen Orden. Im Film versuchen drei Ritter dieses Ordens die Hauptrolle umzubringen. Was misslingt. Leider :devil:. Es kann auch sein, dass ich mich hier mit der Farbinterpretation vertue. Neben den Templern ist ein Orden sehr wichtig, der blaue Gewänder trägt und ein goldenes (?) achtspitziges Kreuz auf der linken Brust trägt. Hier konnte ich leider nicht herausfinden, welcher Orden diese Farben getragen hat. Übrigens gabs auch einen Orden, dessen Ritter alle Lepra hatten. Der Lazarusorden trug Weiss mit grünem Kreuz und bestand aus Rittern, die aus ihren eigentlichen Orden (wegen ihrer Krankheit) verstossen wurden.

Soviel zur Farblehre, jetzt ein wenig zum Film. Es fällt auf, dass die Araber (und speziell Saladin) sehr gut weg kommen. Sie wollen den Frieden. Sie können auch generös sein, da sie die absolute Übermacht darstellen. Wie oben bereits angemerkt zerfällt das Heer der Kreuzritter in zwei Lager: Die Kriegstreiber, allen voran die Templer, und die, die den Frieden mit den Arabern wollen. Hier sind die Blauen mit den achspitzigen Kreuzen die wichtigsten. Und der König von Jerusalem. Nachdem dieser stirbt bekommen die Kriegstreiber die Oberhand und zetteln eine Schlacht an, in der sie vernichtend geschlagen werden. Saladin zieht vor Jerusalem. Der Rest ist Geschichte.

Der Film bietet viele Schlachten. Eine gute Optik. Viel Blut spritzt – Hiebwaffen sind eine scheußliche Angelegenheit. Ansonsten hätte ich mir mehr Tiefgang gewünscht. Ich hatte mir sowas wie Der Untergang auf römisch-katholisch vorgestellt. Leider setzt der Film auf Effekt. Die Lebensumstände im Heiligen Land zur Zeit der Kreuzzüge kommen kaum rüber. Man sieht das Leben aus der Perspektive der Edelleute. Ich hätte mir mehr moralischen Konflikt gewünscht. Dieser ist ein wichtiger Punkt in dem Film. Die Hauptfigur steht vor der Entscheidung, ob sie die bereits verheiratet Prinzessin, die Schwester des Königs von Jerusalem, heiraten und die Führung des Heers übernehmen soll. Damit einhergehend würde der Ehemann der Prinzessin hingerichtet. Er ist ein Kriegstreiber und hat bereits einige zivile Araber auf dem Gewissen. Die Alternative dazu wäre, dass er die schöne Prinzessin nicht heiratet, der Kriegstreiber nicht seine gerechte Strafe bekommt und einen Krieg mit den Muslimen anzettelt, indem er weitere zivile Araberkarawanen abmeuchelt. Der tugendhafte, vielbesungene Held entscheidet sich für letzteres. Diese Entscheidung wird als schwerwiegender moralischer Konflikt dargestellt. Den kann ich da nicht sehen. Offensichtlich bin ich zu sehr Utilitarist. Leider.

Desweiteren predigt der Film von Toleranz und Tugend, was ich gut finde. Generell hätten die Charaktere aber besser gezeichnet werden können. Andererseits ist in der Kürze der Zeit, die hierfür veranschlagt wurde, doch einiges gelungen.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der Film ganz gut ist. Ein Actionfilm mit ein wenig Historie und Ritterlichkeit. Für einen schönen Kinoabend allemal ausreichend. Im DenkzeitWiki gibt’s weiterführende Links: KingdomOfHeaven. U.a. zu einer Seite, auf der die Historizität des Films diskutiert wird. Generell habe ich mich bei meiner Recherche jedoch auf die Ritterorden und die Geschichte der tatsächlichen Kreuzzüge beschränkt.

Bleibt die Frage: Was ist aus dem nackten König auf dem Esel und der kurzgeschorenen Prinzessin geworden?

{ 7 } Comments

  1. J | 2005/5/11 at 12:49 | Permalink

    Das Wappen mit den fünf Kreuzen (ein Großes und 4 kleine) ist das Zeichen des Königs von Jerusalem und seinen Männeren und wird auch so im Film verwendet. Tiberias, die rechte Hand des Königs, scheint ein Adliger aus Zypern gewesen zu sein, der sich und seine Ritter dem König direkt unterstellt hat. Als der König tot war und Saladin die Templer und den neuen König geschlagen hatte, ist Tiberias nach Zypern zurückgekehrt (so zumindest meine Vermutung).
    Der Ritterorden zum Heiligen Grab von Jerusalem, der das gleiche Wappen trägt, ist erst lange nach den Kreuzzügen gegründet worden.

  2. Josef | 2005/6/12 at 02:31 | Permalink

    Als ich voller Interesse die Recherchen von Steffen bzgl. der Kreuzritter lesen wollte, war ich von der restlichen Beurteilung des Films doch etwas enttäuscht. Mir hat der Film recht gut gefallen, auch wenn es sicherlich einige wenige störende Passagen gab (Weggang Balian’s mit seinem Vater, das Durchbrechen der Araberfront vor der Burg Krak). Aber was erwartet man von so einem Film?

    Ich denke, das ist sehr vielschichtig und sieht bei jedem etwas anders aus. Dem Einen geht es um einen historisch korrekten Film, dem Anderen um eine Art „Psycho-Studie“, die die einzelnen Charaktere tiefer beleuchtet. Und wieder Anderen geht es nur um’s Gemetzel oder dem sexy Hauptdarsteller!

    Von daher ist es Ridley Scott gut gelungen, viele Anforderungen in diesem Film zu vereinen. Und nur darum kann es bei solch einem Megafilm gehen, der von der Organisation und Logistik eine Mammutprojekt ohnegleichen sein dürfte. Alles lässt sich ohnehin nie unterbringen. Und Kritiker wird es immer wieder geben! Aber solch spannende (zeitlose) Geschichtsstunden gibt es leider viel zu selten! Was für mich auch der Grund war, den Film ein zweites Mal anzuschauen, um den Einzelheiten – insbesondere den Kreuzrittern – etwas besser folgen zu können.

    Da ist Steffen schon mal sehr zu loben, dass er die im Film vorkommenden Ritterorden richtig identifizieren konnte, inkl. der von Jörg ergänzten Anmerkung zum Orden des Königs von Jerusalem. Übrigens war dieser Balduin nicht der tatsächliche (Rück-) Eroberer von Jerusalem aus dem ersten Kreuzzug, sondern nur der Bruder des Gottfried von Bouillon. Dieser war dann sogar so bescheiden, sich nur „Rückeroberer von Jerusalem“ zu nennen.

    Hinsichtlich der Ritterorden sind die dominierenden die des Königs und die Tempelritter. Aber die Johanniter (interessanterweise haben sich die Malteser im Laufe der Jahrhunderte aus dem Johanniterorden entwickelt und abgespalten) sind durch den Film hinweg die ganze Zeit zu sehen. Bei der Meeresankunft in Messina genauso wie in Jerusalem oder beim Zug in die Schlacht gegen die Sarazenen. Die Person, auf die Steffen hinweist, ist vermutlich der „erste Offizier“ oder ranghöchste Gefolgsmann des Godfrey von Ibelin. Außerdem trägt dessen Adelsfamilie ebenfalls ein eigenes Wappen. Ein kleines Kreuz (ähnlich dem der Bundeswehr) in orange auf rotem Hintergrund und auf der anderen (Kleidungs-, Schild-) Seite in gegenteiligen Farben.

    Die Attentäter, die Balian umbringen sollen (Warum sollte dieser schon in der Filmmitte sterben? Erstens wäre das unlogisch, zweitens hinge der Film dann in der Luft.), sind offenbar vom Deutschen Orden, den es aber offiziell noch gar nicht gab. Die Gründung erfolgte erst 1198, also elf Jahre nach der Schlacht um Jerusalem. Die Vorläufergesellschaft, eine Spitalbrüderschaft zum Schutz von Spitalen/Krankenhäusern, wurde ebenfalls erst später gegründet, im Jahre 1190.

    Noch einmal zurück zum Film. Schade ist sicherlich, was aus dem „Kurzzeit“-König Guy von Lousignon nach seinem Eselsritt geworden ist. Beim Ende der Prinzessin hatte Steffen wohl schon abgeschaltet. Sie hat auf ihre Prinzessinnenstatus und somit ihren weiteren Ländereien in Europa verzichtet, um Balian zurück nach Frankreich zu begleiten. Das hat mich eigentlich sehr positiv überrascht, dass hier kein Schmonzetten-Ende á là „King Arthur“ kreiert wurde. Stattdessen endet der Film hier relativ leise und baut noch den Übergang zum dritten Kreuzzug ein, den der englische König Richard Löwenherz begleitet.

    Außerdem noch ein paar Worte zu Saladin: Ein sehr charismatischer Schauspieler, der deutlich aus dem Film herausragt! Und für mich wurde recht schnell klar, dass er durchaus mit den gleichen (Führungs-) Problemen kämpfte wie die europäischen Heeres-/Clan-Anführer. Aber der Unterschied liegt dann doch deutlich in der Person: Der Rückzug von der Burg Krak, die besonnenen Truppenbewegungen in den Wüstengebieten, die Übernahme Jerusalems mit dem Zugeständnis des freien Abzugs. Soviel also zum Thema „Ungläubige“! Wäre nur noch interessant zu wissen, ob sich die Übergabe Jerusalems tatsächlich so zugetragen hat?

    Bei der Übersetzung des Filmtitels kann ich Steffens Meinung ebenfalls nicht nachvollziehen. Ich finde es sicherlich immer etwas unglücklich, Originaltitel einzudeutschen und damit vielleicht sogar ihres Sinnes zu berauben. Aber es wird doch im Film deutlich herausgestellt, warum Jerusalem als Königreich der Himmel bezeichnet wird. Es gibt halt auf Erden keine weitere Stätte, an der so gewaltige Religionen/Glaubensrichtungen in dieser Form aufeinandertreffen. Von daher wäre es nur lachhaft, von einem Himmelreich zu sprechen! Ich finde, da herrschen mehr höllische Zustände, auch noch 1000 Jahre nach den Kreuzzügen!

    Und Balian? Er kehrt mit neuer Frau zurück in die Ruinen seiner früheren Schmiede, über die noch immer der Spruch im Balken prangert: „Was für ein Mann ist ein Mann, der nicht die Welt verbessert?“ Als hätte er seinen Ritterschlag geahnt …

  3. Silke | 2006/7/24 at 01:24 | Permalink

    Wo Tiberias ursprünglich herkommt weis ich leider nicht. Nach dem was ich herausfinden konnte wurde er jedoch schon im Königreich Jerusamlem geboren.
    Er ist der Regent des Königs wärend dessen Minderjährigkeit und auf Grund der Erkrankung Balduins bleibt er sehr einflussreich. Sein Name lautet Raimund lll. von Tripolis. Tiberias ist eine Stad in auf seinem Land, oder dem Land seiner Frau, mit einer der wichtigsten Festungen seines Besitztes.
    Er trachtete, wie viele Familien die bereits mit dem ersten Kruzzug in die Region kamen, nach Frieden mit den Musliemen. Anderes als im Film war er wohl bei Schlat um Jerusalem bei Hattin,in der nähe von Tiberias, dabei, überlebte jedoch.
    Danach zog er sich nach Tipolis zurück und starb noch im selben Jahr.

    Wer jetzt wen mit wem verkuppelt hat (Sybila und noch ein paar andere Familienmitglieder) wurde wohl aus Gründen der Verständlichkeit im Film vereinfacht dargestellt.

    Was die Übersetzung des Filmtiels angeht bin ich auch etwas unzufriden. Ich kenne mich natürlch nicht mit alle Einzelheiten aus, wäre aber eher mit ‚Himmlisches Königreich‘ (was als Filmtitel aber doof klingt) oder ‚Königreich des Himmel‘ zufreidener gewesen. Aber wie gesagt, da weis ich vielleicht zu wenig.
    Ob sich aber der Plural auf die verschiedenen Religionen bezieht oder auf deren Konflickte weiß ich nicht, ich hätte es jetzt eher (auch vom Original her) auf das Himmlische Jerusamlem auf Erden bezogen, was ja auch mit jeder Kathedrale versucht wurde nachzubauen oder darzustellen.

    Die Idee der Fabenlehre zum Film finde ich gut, da ich mich auch auf der such nach den Symbolen befand. Ich siteß jedoch erst im nach Beendigung meiner Suche auf diese Seite.

    Im Großen und Gnazen finde ich den Film sehr gut und unterstütze Josefs Meinung zu einem gut gelungenen Kompromiss.

    P.S. Wer Rechtschreibfehler findet darf sie behlaten. 🙂

  4. Silke | 2006/7/24 at 02:04 | Permalink

    Eine Frage noch die mir im Nachinein noch kam. Hatten die Johanniter nicht ein achtspitziges Kreuz?

  5. Steffen | 2006/7/27 at 10:37 | Permalink

    Ich muss zugeben, dass es zu lange her ist, dass ich den Film gesehen habe, als dass ich jetzt auf die Schnelle wieder rein fände.

    Wegen dem achtspitzigen Kreuz der Johanniter hast du Recht. In meiner Grafik habe ich das vereinfacht.

  6. towbson | 2007/5/7 at 10:53 | Permalink

    unbedingt den directors cut anschauen….um längen besser. vielleicht sogar ein ganz anderer film

  7. Swenger | 2007/6/13 at 11:33 | Permalink

    Das achtspitzige Kreuz haben die Johanniter erst später getragen !!!

{ 1 } Trackback

  1. subaltern | 2005/5/17 at 01:01 | Permalink

    Can Saladin Speak?
    Sepoy hat für Chapati Mystery einen lesenswerten Beitrag über die Darstellung des Saladin im westlichen Kino verfasst. Zunächst stellt er fest, dass Saladin im Hollywood-Kino keine eigenständige Rolle spielt, sondern nur als “Anhängsel” von Richard Löw…

Post a Comment

Your email is never published nor shared. Required fields are marked *