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Irvine City

Gestern Abend habe ich auf arte einen Bericht über die Stadt Irvine in den USA gesehen. Irvine ist nicht nur eine Stadt. Es gibt auch ein Unternehmen mit diesem Namen. Das Besondere ist: dem Unternehmen gehört die Stadt. Die Polizei, die Schulen, alles gehört der Irvine Company.

Das Leistungsprinzip wird hoch gehalten. Die Bewohner gehören dem gehobenen Mittelstand an. Sportlicher Wettkampf wird gefördert. Beten auch. Anpassung wird verlangt. Integration und Sich-Einbringen klingt aber besser. Hat mich an Pleasantville erinnert.

Die Bevölkerung von Irvine ist die schlankeste in den USA. Nirgends sonst in den USA werden Polizisten besser bezahlt als in Irvine.

Paul Graham ist übrigens auch ein überzeugter und überzeugender Verfechter des Leistungsprinzips (siehe auch Hacker and Painter). Vielleicht ist solches Denken gesellschaftlich betrachtet nichtmal so ungesund. Es muss nur darauf geachtet werden, dass eine solche Einstellung nicht zu einer Form des Sozialdarwinismus ausartet. Desweiteren ist in diesem Zusammenhang der Hintergrund des Begriffs soziale Marktwirtschaft, wie ihn Erhard verstand, interessant. Ich möchte hier nicht näher darauf eingehen, überlasse detailiertere Recherchen dem Leser, aber mit sozial ist nicht unbedingt das gemeint, was man darunter verstehen könnte. Nur soviel sei verraten: Erhard hatte durchaus nicht die Lenkung der Wirtschaft durch den Staat im Sinn. Eher ganz das Gegenteil. Wie in Amerika halt auch…

{ 2 } Comments

  1. Emerentia | 2005/6/10 at 07:35 | Permalink

    Das klingt interessant: „Einem Unternehmen gehört eine Stadt“. Was mir irgendwie nicht so ganz gefällt dabei ist, dass das Unternehmen auch irgendwie über seine Bewohner „herrscht“ nach dem Motto: wenn du dich nicht „integrierst“, dann geh‘ bitte aus unserer Stadt. lingt irgendwie nach Unterwerfung. Aber bei den Amis wundert mich eh nix mehr. Dieses Unternehmen könnte auch eine Sekte oder so sein – und dann wären wir irgendwo in Utah, vielleicht auch in Salt Lake City und das Unternehmen hiesse „Mormon“…

    Zu Erhard wollte ich nur anmerken, dass sein Wirtschaftssystem der sozialen Marktwirtschaft zunächst nur widerwillig angenommen wurde. Eigentlich wollten es die Leute nicht recht, da es die „Ellenbogen-Gesellschaft“ fördert. Als man aber durch das Wirtschaftswunder und den Aufschwung merkte, dass es ja doch ganz gut funktioniert und eigentlich kaum einer grosse Nachteile erleidet, hat man es dabei belassen. nur schade, dass man damals die illiarden-schweren Gewinne im Kuchenausschuss verpulverte 🙁

  2. Steffen | 2005/6/10 at 10:44 | Permalink

    Danke für den Link zum Kuchenausschuss und zur Dokumentationsreihe im ZDF. Den ersten Teil habe ich gesehen. Sehr interessant.

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