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Anfängergeist

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Vom Zen-Buddhismus kenne ich das Ideal des Anfängergeistes (shojin). Auch in den Kampfkünsten ist das Konzept bekannt. Schlußendlich aber ist der Geist des Anfängers bei vielen Lernaktivitäten erstrebenswert.

Es geht um die Unvoreingenommenheit, das Unbelastetsein gegenüber neuen Erfahrungen oder gegenüber alten Erfahrungen, die neu gemacht werden. Es geht um Interesse oder kurz das Lernenwollen.

Im Aikidotraining, auf Lehrgängen oder im Dojo treffe ich oft manchmal auf die Geisteshaltung des „Meine Technik ist besser als deine!“. Ich kann mir vorstellen, dass diese Tendenz im Denken bei jedem vorhanden, aber unterschiedlich ausgeprägt ist. Zumindest, wenn ich hier von mir auf andere schließen darf. Ich kann mir auch vorstellen, dass durch das Daranarbeiten diese Tendenz minimiert werden kann.

Es hat was mit Toleranz zu tun – dem ach so hochgelobten Aspekt der Harmonie im – wenn man Technik und Ausführung des anderen akzeptiert (wenn er sein Bestes gibt) und nicht ständig ein Du machst das falsch. und Du musst das so machen. beim Trainieren mit dem Partner einfließen lässt.

Ich selbst halte das so, dass ich meinem Trainingspartner – auch und gerade Anfängern – beim Training nicht allzuviel erkläre. Ich erwähne etwas kurz und versuche den Rest mit korrektem Bewegen meinerseits – soweit mir das möglich ist – zu verdeutlichen. Die Leute, die sich hinstellen und ellenlang Erklärungen ablassen finde ich eher nervig. Nur Sensei darf das. Dafür ist er ja da… 😉

Beim Training mit Aikidokas aus anderen Stilrichtungen kommt dann ab und an ein Mein Stil ist besser als deiner! hinzu. Oh, Harmonie!

Anfängergeist bedeutet hier für mich den anderen und seine Art zu akzeptieren und – wenn irgend möglich – von ihm zu lernen. Auch, wenn er ein Weissgurt ist und man selbst einen dunklen Gürtel umschnürt.

Ich möchte das vertiefen und nehme mir für die Zukunft vor, mehr mit Anfängern zu trainieren. Auf Lehrgängen nicht die Hochgraduierten suchen, sondern die mit den weissen Gürteln. Und ich werde zu den schwierigen Leuten, mit denen ein erstes Training nicht gut funktioniert hat, nochmal hingehen.

Warum? In solchen Situationen, wenn’s nicht funktioniert, ist man selbst – ohne große Anstrengung – wieder Anfänger. Man muss nur aufpassen, dass man nicht in eine Lehrerrolle verfällt. Dann wäre der Anfängergeist dahin.

Aber auch ein guter Lehrer zeigt Anfängergeist, wenn er sich in die Lage des Schülers versetzt und wird so selbst zum Lernenden. Warum sollte man das anders machen, wenn man selbst noch Schüler ist? Durch ein Training, bei dem man den anderen akzeptiert und das Beste daraus macht, lernt man schneller (wie uneigennützig), weil die Technik stärker reflektiert wird (sonst funktioniert sie ja erst recht nicht). Außerdem lenkt man nicht durch Drüberreden vom eigenen Unvermögen ab. Somit besteht die Möglichkeit, dass sich das Riai (erklärt hier und dort) einer Technik eher erschließt. Irgendwie ein guter Anreiz, wieder Anfänger zu werden…

Suche die schwierigen Schwarzgurte und die blutigen Anfänger. Oder hast du Angst, dass sie dich platt machen oder deine Technik nicht funktioniert?

Wohl an denn, zurück zum Anfang!

{ 1 } Trackback

  1. byzero.de | 2006/8/21 at 01:26 | Permalink

    Anfänger…

    Steffen schreibt in einem schön geschriebenen Artikel über den Anfängergeist im Aikido.

    Aber auch ein guter Lehrer zeigt Anfängergeist, wenn er sich in die Lage des Schülers versetzt und wird so selbst zum Lernenden.

    und das lässt sich nicht n…

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