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Vögel, die ihre Eier belüften

Ich glaube, in Douglas Adams‘ nicht nur gewohnt amüsantem, sondern auch interessantem und populärwissenschaftlich relevantem Buch „Die letzten ihrer Art“ wird von einer Vogelart berichtet, die sich die mühsame Pflicht des Selbstausbrütens meint dadurch ersparen zu können, dass sie einen Haufen von Blättern, Ästen und sonstigen Fundstücken über ihrem Gelege auftürmt und dessen Wärme nutzend selbst nicht draufzusitzen hat.

Irgendwie unpraktisch an dieser Lösung ist, dass der Vogel jetzt den ganzen Tag damit beschäftigt ist, Ventilationsgänge in diesem Haufen zu öffnen und zu schließen – je nachdem ob der Haufen gerade eher über- oder untertempariert ist.

Manchmal erwische ich mich dabei, dass ich ebenfalls irgendwie und irgendwann dem Tüfteln an einer solchen Eierbelüftungsmaschine anheim gefallen bin.

Wie das kommt ist mir fast klar: es fängt mit einem kleinen Haufen an, der ganz praktisch aussieht und auch gut funktioniert. Dann kommt man auf die Idee, den Haufen etwas größer zu machen, weil dadurch mehr Temperaturregelungsmöglichkeiten entstehen. Also legt man noch eine weitere Schicht auf. So ergibt sich eine um die andere weitere Schicht. Der Möglichkeitsgewinn pro Schicht nimmt dabei ständig ab (sonst würde es sich ja tatsächlich lohnen weitere Schichten anzulagern). Der Aufwand, den man für jede zusätzlich Schicht treiben muss, nimmt aber im Gegenzug zu.

Irgendwann kann man dann ganz toll seine Eier belüften. Dass die Kosten-Nutzenrelation schon lange nicht mehr hin haut ist vernachlässigbar, denn man hat jetzt eine schicke Eierbelüftendewollmilchmaschine.

Eine andere, konkrete Softwareentwicklungssituation ist, wenn man schon einige Zeit in eine Lösung investiert hat aber nicht zu Potte kommt, weil immer noch ein bisschen fehlt. Man hat ständig den Eindruck, dass die Lösung für alle Probleme nicht mehr weit ist – dass die zündende Idee nur noch einen Funken benötigt. Und doch lässt gerade dieser auf sich warten.

Dann heißt es einen Schritt zurück zu tun, durchzuatmen und sich zu überlegen, ob’s das wirklich wert ist. Manchmal muss man einfach gehen lassen.

Andererseits schneit dann manchmal doch die lang ersehnte Lösung herein. Und warum sollte man vorher aufgeben?

Ich befürchte, das denkt sich der Vogel auch…

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