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Ode an den Bleistift

Eine Auswahl an Bleistiften

Die Tage war ich in einer Besprechung und musste erst währenddessen feststellen, dass der einzig mitgebrachte Kugelschreiber den Geist aufgegeben hatte. Leider sieht man das seiner Kunststoffhülle nicht an und man hätte vorher testen sollen. Aber: Sicher, dass er die ganze Besprechung durchhalten würde, kann man selbst nach einem Vortest nicht sein.

Mit einem – und ich meine keinen Druckbleistift, sondern eins dieser Holzstäbchen – ist das anders. Ganz klar, wie lange er noch mindestens aushalten wird – wenn man nicht vor Aufregung oder durch sonst einen unruhigen Gemütszustand, am laufenden Band Spitzen abbrechen wird.

Apropos Spitzen: Klar, das ist ein Manko. Aber wenn man sowieso immer ein Taschenmesser in eben dieser hat, kein Problem. Man müsste sich halt an die Blicke gewöhnen, die man auf sich zieht, wenn man in einer Besprechung sein Taschenmesser ausklappt.

Für den nicht so rustikalen Bleistiftspitzer gibt’s noch Superluxuxausführungen wie den perfekten Bleistift von Faber-Castell. Daran gefällt mir nicht, dass man aus sowas Einfachem wie einem Bleistift wieder ein Ingenieursprodukt mit maßgeschneidertem Zubehör macht. Dann wiederum ist die Kapsel zum Schutz der Spitze recht praktisch – dazu aber in einem zukünftigen Blogbeitrag mehr.

Das Spitzen des Bleistifts ist sowieso – ein auch technisch – per se schon ein sehr interessantes Thema. Ganze Internetseiten drehen sich nur darum und die verschiedenen Spitzmöglichkeiten (z.B. auf bleistift.memm.de).

Also: bei einem normalen Bleistift ist der Zustand klar und schnell wieder herzustellen. Sprich: seine Einfachheit ist extrem praktisch und spricht sehr für den Bleistift.

Abgesehen von diesen technischen Raffinessen gefällt mir am Bleistift sehr seine Sensibilität – die fehlt ja oft in Besprechungen – aber mein Bleistift hat sie. Ich brauch keine weiteren Farben. Ich schreibe leicht, ich schreibe schwer. Ich schreibe dünn und umrahme dick. Ich schraffiere und unterstreiche. Klar, das geht auch mit einem Kugelschreiber (weit weniger als wie mit einem Füller) – aber der Bleistift ist dem Kugelschreiber nochmal überlegen.

Was mir noch am Bleistift gefällt ist seine – vermutliche – Resourcenschonung: und Mine und vielleicht ein wenig Beize für die Oberfläche. Ein Kugelschreiber ist meist aus Plastik und Metall – hier ein Druckknopf, eine Feder, ein Ring, ein Klipp. So ein Kugelschreiber ist sehr viel raffinierter und ich weiß nicht, ob das nötig ist. Selbiges gilt für den Druckbleistift.

Man könnte jetzt meinen, der Bleistift sei ein ganz simples Instrument. Trotzdem bin ich neulich sogar über ein Buch gestolpert, dass sich anscheinend allein mit dem Bleistiftspitzen beschäftigt: How to Sharpen Pencils: A Practical & Theoretical Treatise on the Artisanal Craft of Pencil Sharpening for Writers, Artists, Contractors, Flange Turners, Anglesmiths, & Civil Servants von David Rees. Natürlich gibt’s auch eine Homepage: artisanalpencilsharpening.com

Inzwischen bin ich auf einen (was sag ich: *den*) dazugehörigen Clip gestoßen (es gibt weitere Clips mit David Rees):

HOW TO SHARPEN PENCILS from Pricefilms on Vimeo.

Eine Anekdote zum Schluß: Ein Freund zeigte mit neulich seinen weltraumgeprüften, über-Kopf-schreibenden und wassertauglichen neuen Kugelschreiber. Kann mein hölzerner Bleistift auch alles (zum Schreiben im Wasser verwendet man statt Papier eine oberflächenangerauhte Kunststoffplatte).

Zum Abschluss noch ein Aphorismus zur Wichtigkeit des Bleistifts von David (seine Seite mnftiu.cc und der animierte Cartoon Codefellas ist in jedem Fall einen Blick wert):

You can sharpen a pencil without a pencil sharpener. But you can’t sharpen a pencil without a pencil.

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